Weihnachtsessen 1999 einmal ganz anders erlebt mit Kampfkunst

closeup photo of baubles on christmas tree

Die chinesische Kampfkunst fasziniert mich immer wieder aufs Neue. Es ist eine Kunstform, die eine lange Tradition und Geschichte hat. Die verschiedenen Stile und Techniken sind faszinierend und beeindruckend zugleich. Die fliessenden Bewegungen und die Kombination von Kraft und Geschicklichkeit sind eine wahre Augenweide. Es ist beeindruckend zu beobachten, wie die Kämpfer ihre Körperbeherrschung und Konzentration einsetzen, um ihre Gegner zu besiegen. Das wollten wir am Weihnachtsessen erleben.

Weihnachtsessen anders erleben mit chinesischer Kampfkunst!

Also – sollte dem Ganzen Weihnachtsessen nicht vielleicht ein anderer Rahmen gegeben werden? Letztes Jahr hatten wir ja auch ein kleines Zusatzprogramm ausprobiert. Vor dem Weihnachtsessen liessen wir uns von Walter zeigen, wieviel Tai-Chi mit koordinierter Bewegung und Konzentration zu tun hat. Damals waren einige begeistert, andere hingegen konnten mit Tai-Chi wenig anfangen.

Ich fragte Walter, ob wir noch einmal mit unserer Abteilung bei ihm reinschauen dürften und ob er bereit wäre, für uns ein kleines und ab­wechslungs­rei­ches Pro­gramm zu­sam­menzustellen. Gesagt – getan.

Nach kurzem “Hallo” und Um­ziehen standen 8 Personen der La­borgruppe, mei­ne Frau Annette und unser Lars im Trainingsraum Walter gegenüber, der von Tom, Karin, Möri und Walters Sohn Martin unterstützt wurde. Es begann wie jedes Training: Ruhig werden, atmen, den ganzen Körper spüren. An­schliessend lockern und -Tai-Chi.

Programm gleich wie im vorderen Jahr?

Also doch das gleiche Programm wie letztes Jahr? – Die Gruppe versuchte verkrampft, die eleganten Tai-Chi Bewegungen nachzumachen. Vorne glitt Walter hin und her, während die Gruppe mit eckigen Bewegungen ver­suchte, ihm zu folgen. Dem kleinen Lars fielen die Arme runter und er ging lieber zur Spielecke in den Nebenraum.

Sollte es so die ganze Zeit weitergehen? – Aber nein. Tai-Chi war nur die Einführung.

Zum Aufwärmen wurde Ketten-Punch (gerader Faustschlag nach vorne) geübt, 3 mal, 5 mal, 10 mal, non stop, 5 mal – “Hey Rudi, wie alt bist du?” “Äh – mh – 27?????” – “OK, das glaubt ja wohl keiner, aber dann nur 27 mal Ketten-Punch”. Anschliessend merkte jede(r), dass der Kreislauf in Wallung geraten war.

Nach dem einfachen Schlag wurde eine Viererkombination geübt. Erst einzeln, dann mit Partnern. Die Koordination stimmte natürlich nicht und als Aussenstehender sah man vor­wiegend viele Arme, welche durch die Luft ruderten. Gele­gentlich erkannte man aber auch ein Aufblitzen in einem Gesicht, wenn die Hände für ein bis zwei Sekunden ungefähr das gemacht hatten, was sie eigentlich sollten.

Kleine Pause angesagt

Puhhh – Pause? NEIN. Paarweise im Kreis herumlaufen. Die Partner liefen hin­ter­einander. Die hintere Person legte der vor­deren Person links oder rechts eine Hand auf die Schulter, woraufhin die vordere Person sich blitzartig umdrehen sollte, mit dem eben Erlernten den angreifenden Arm blocken und übergangslos mit Ketten-Punch zum Gegenangriff starten sollte.

Einige trauten sich anfangs gar nicht so recht, überhaupt zu reagieren und zogen eher die Schultern ein, wenn von hinten der Angriff erfolgte. Bei Annette und Esther sah man dagegen, dass sie vorher schon Taekwon Do, bzw. Karate gemacht hatten: Der Angriff von hinten wurde unter Drehung mit einem harten Block eines Armes abgewehrt, während die andere Hand sich zur Faust schloss und aus der Hüfte einen gezielten Schlag gegen die Nase oder den Kehlkopf des Angreifers ausführte.

OK. Nachdem jede(r) mal selbst ausprobiert hatte, wie Abwehren und Schlagen funktio­nie­ren könnte, wollten wir uns mal ansehen, was eine Frau mit die­sen we­nigen Grund­techniken anfangen kann, wenn sie “ein wenig” Übung besitzt.

Unsere Rudi

Rudi, unsere Sportskanone, welche sich ja noch wie 27 fühlte, wurde als Opfer auserkoren. “Also, Rudi und Karin, kommt doch mal her. Rudi soll Karin (gut zwei Köpfe kleiner als Rudi) einfach mit gezielten Faustschlägen angreifen.”

Beide standen sich locker gegenüber und taxierten sich ein wenig. Plötzlich erfolgte der erste Schlag von Rudi in Richtung Karins Kopf – und dann alles gleichzeitig: Rudis Faust wurde durch einen Block am Kopf vorbeigeleitet und in die geöffnete Deckung ging Karin mit Ketten-Punch non stop mit festem Stand vorwärts.

Rudi verschränkte nur noch beide Arme vor Oberkörper und Gesicht, um die non stop Faustschläge abzuwehren und befand sich auf dem Rückzug, wobei ein Schrittfehler nach dem anderen passierte. Dann hörte man aber auch schon Walters laute Stimme; “Stopp!! – Aufhören Karin!! Sonst treibst Du Rudi noch aus dem Fenster!!”

Rudi stand mit dem Rücken vor einem Fenster, hinter dem es gut vier Meter zur Zulg hinunter ging. Beeindruckend! Applaus für die beiden Kontrahenten.

Anschliessend zeigten Martin und Karin einige Bewegungsabläufe mit weichen und harten Techniken sowie Sprüngen. Danach demonstrierten Martin und Möhri Bewegungsabläufe mit Schwertern. Da – ein kleiner Fehler und Martins Schwert knallte ihm mit der stumpfen Seite ins Gesicht – würde er abbrechen? NEIN! Martin verzog keine Miene und brachte seine Form ruhig zu Ende. Applaus.

Als letztes noch Tom mit Lanze gegen Martin mit Schwert. Auch wenn die Waffen nicht geschliffen waren, konnte man sich des Kribbelns im Magen nicht erwehren, wenn die Lanze mit Wucht gegen Martins Körper vorstiess oder wenn Martin das Schwert in Richtung Toms Hals führte.

Training mit dem Stock

Hui, das war nicht schlecht – und jetzt?
Jetzt bekam jeder eine lange Bambusstange in die Hand gedrückt und die Gruppe übte in Zweiergruppen Schlag und Block mit dem Langstock.

Auch hier wieder das übliche Spiel: Der Stock entwickelte eine gewisse Eigendynamik, so dass der Benutzer alle Mühe hatte, ihn festzuhalten, geschweige denn, sinnvoll zu gebrauchen. Nach dieser Übung konnte jede(r) so richtig einschätzen, welche Kunst dahintersteckt, eine Lanze richtig zu gebrauchen.
Inzwischen waren aus der ursprünglich geplanten Stunde fast zwei Stunden geworden.

Ein grosses Merci an Walter, Martin, Karin, Tom und Möri.
Vor dem Trainingsraum wurde zusammen noch ein Kaffee getrunken und gefachsimpelt. Anschliessend ging es dann zum “Laboressen”. Während sich die Käsefäden beim Fondue lang zogen, wurde immer wieder die Frage diskutiert: Hätte Rudi eine Chance gegen Karin gehabt oder nicht? Was wäre, wenn ???

Auf jeden Fall war der Abend bei Walter sehr beeindruckend und hat viel Spass gemacht. Doris stieg daraufhin sogar im Januar 1999 ins Kung-Fu-Training ein.

Allen, die hier einen Teil beigetragen und mitgemacht haben: Ein dickes Dankeschön für das Weihnachtsessen.

Dr. H. Matzke
Laborleiter & Kung-Fu-Schüler

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Frohe Weihnachten auf Chinesisch viel Spass…

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